Der Geheimbund der Kender

 

Was ist das und wie kam es dazu?

 

Auf deutschen LARPs sind Kender meistens eine Seltenheit. Viele Spieler finden das auch gut so, leider. Kendern/Kenderspielern wird oft IT mit Misstrauen, Vorurteilen und gewaltbereiter Abneigung begegnet. Einschlägig verbreitet ist die Meinung, Kender wären quietschige bunte Diebe die jede gruselige/epische Situation durch unangemessene Fröhlichkeit und respektloses Verhalten zerstören. Diese Vorurteile begründen sich einzig und allein im Unwissen - im Unwissen der Nicht-Kender-Spieler was einen Kender überhaupt ausmacht, und leider auch im Unwissen mancher Kenderspieler denen man die nicht ganz unbegründeten Vorwürfe zu verdanken hat.

Also haben sich einige Kenderspieler gedacht: da muss etwas dagegen getan werden - Kender bereichern LARP und das muss den Leuten klargemacht werden. Wir versuchen also, durch unser IT-Verhalten mit Vorurteilen gegen Kender aufzuräumen und eine gute Wissensbasis und Einsteigerhilfe für alle die selbst gerne Kender spielen würden zusammenzusammeln. Diese hohen Ziele gab es allerdings nicht von Anfang an - wenn wir ehrlich sind ist der Geheimbund eher zufällig auf einem Großcon entstanden, wo sich die dort befindlichen Kender aus Neugirde miteinander treffen wollten und zu diesem Zwecke eine Annonce in die IT-Zeitung gesetzt hatten. Aus diesem Treffen entstand dann der Geheimbund, erzählt uns die weise Heppi Beutelchen, einstiges Gründungsmitglied.

Wenn wir gerade nicht versuchen die Welt zu verbessern, was machen wir dann? Der Geheimbund besteht aus Mitgliedern die über ganz Deutschland verteilt sind. Unsere Hauptkommunikationsebene ist das Geheimbundforum, in welchem Characterideen, Bastelsachen und alles mögliche andere diskutiert wird. Wir sind keine LARP-Gruppe sondern viele einzelne Spieler die sich einfach nur austauschen und einmal im Jahr versuchen auf einem Con zusammenzufinden um einen Kenderfesttag zu feiern und kenderische Lebenskultur unter die Leute zu bringen.

 

Besucht uns doch im Forum, wir würden uns freuen,

 

der KGB

 

 

Das KenderGeheimbund-Treffen

Das erste Kender-Geheimbund-Treffen fand im Sommer 2011 auf dem Con "Talosia - Verwunschene Wälder 6 " statt.

Aus dem Reisetagebuch von Firinn Feuerfünkchen

 Talosia. Ein Land voller interessanter Menschenvölker, Schildkrötenkrieger, Wassernixen, gestaltgewordener Elemente, liebenswürdiger Halblinge und wirklich ... großer ... Monster. Dies ist die Geschichte, wie Firinn Feuerfünkchen die wohl interessanteste und wichtigste Aufgabe ihres Lebens übertragen bekam. Es ist eine Geschichte voll Magie und Gefahr, die ihren Anfang nahm, als im Volk der Kender ein Feiertag näher rückte, und sich alle von nah und fern in den talosischen Blauenauen versammelten, um den Dankeschön-Tag zu feiern.

Beschwerlich war meine Reise, als ich wenige Tage vor dem großen Festtag in Hügli eintraf. Hügli ist der Name des Dorfes unserer Gastgeber und lieben Freunde, den Halblingen aus den Blauenauen, auch Hüglinge genannt. Es war ein wundervoller warmer Sommerabend, perfekt um in der Taverne all die anderen Kender kennenzulernen. Da waren Flyx Vergissmeinnicht, Baldo Moosgrün (der mittlerweile den stolzen Namen Wasserschnuppe erwählte), Ursa Sonnenschein, Heppi Beutelchen und Poppy Gowen. Wir erzählten und tauschten viel untereinander, doch fand man auch Kontakt zu anderen interessanten Reisenden, wie zum Beispiel einer Gruppe Menschen welche Gespenster jagt. Dies taten sie mit einem riesigen (gnomischen?) saugenden Rohr. Es muss magisch sein, aber ich glaube sie brauchen es noch. Dort gab es Zwerge, Elfen, Barone und Landstreicher, sie alle hatten ihre Gründe durch die Blauenauen zu ziehen. Es herrschte Krieg der Elemente in Talosia, wenn ich mich recht entsinne, und einige der Abenteurer in der Taverne erzählten mir, nur eine Woche zuvor die Mutter aller Pilze im verwunschenen Wald nahe Hügli erschlagen zu haben. Ob das gut oder schlecht war, weiß ich nicht, aber sie meinten, es sei notwendig gewesen, weil die Pilze sie fast getötet hätten. Mir tat es dennoch leid. Nahe dem Halblingsdorf auf einem idylischen Eiland lebte auch eine Kenderin, doch sie war schwer beschäftigt damit junge Menschen und Halblinge zu hüten, daher konnten wir sie nicht richtig kennenlernen. Aber sie erzählte uns von merkwürdigen Begebenheiten, zum Beispiel einer Insel die so langweilig sei, das Kender schon darauf gestorben sind. Aber das seltsamste war wohl, dass sie ANGST!!! verspürte. Das arme Ding. Jede Nacht um Mitternacht sollten seltsame Gestalten mit Sensen auf ihre Insel kommen, sodass sie sich nicht mehr vor die Türe traute. Das hat uns natürlich schrecklich neugierig gemacht, also sind wir alle zum Schauen und Lauschen hingegangen. Und wie sie es versprach: Punkt Mitternacht schipperte ein Boot über den See, und daraus stiegen vier oder fünf in nachtschwarze Kapuzenmäntel gehüllte Wesen mit Sensen und Fackeln. Rituell entzündeten sie ein Feuer und begannen miteinander zu erzählen. Aus dem Gespräch schloss ich, das es sich wohl um Fährmänner des Todes handelten, welche sich über ihre geringe Bezahlung beschwerten, Arbeitstips tauschten, sich über Fahrgäste ausließen, und beschlossen demnächst in den Streik zu treten. Das war sehr aufregend, besonders als Baldo versuchte entgegen des dringenden Anratens der heimischen Kenderin mit ihnen zu sprechen. Aber sie schienen ihn nicht einmal wahrzunehmen, da konnte er noch so sehr an ihren Ärmeln ziehen, sie verschwanden daraufhin einfach. Das fanden wir sehr unhöflich, doch Flyx hatte das Glück sie bei einem Bummel im Dorf wiederzutreffen. Da waren sie gesprächiger. Der Grund des Geldmangels des Todes lag darin, dass dessen Schatz gestohlen ward - welch außergewöhnliche Frechheit, zu der nur die Kobolde fähig sein konnten, die im verwunschenen Wald hausten. Dieser Sache wollte ich auf den Grund gehen.

Der nächste Morgen begann mit brütender Hitze. Wir trafen erste Vorbereitungen für das Fest, richteten den Festplatz mit Kendermuscheln, Sitzfellen, Feuerstelle und bunten Wimpeln her, bauten ein Kenderzelt auf, wählten einen Kenderrat und dann ... wollten wir etwas erleben. Wir durchstreiften die Umgebung und fanden einen merkwürdigen Hügel aus dem sich eine kleine Rauchfahne kräuselte. Ich fresse meinen rechten Socken, wenn es da drinnen nicht schrecklich interessant war, also versuchten wir uns hineinzugraben. Das wurde bei der immer sengenderen Hitze allerdings recht bald sehr sehr anstrengend, also beschloss der Kenderrat stattdessen in die Kühle des Waldes zu flüchten - immerhin ein verwunschener Wald in dem es Kobolde und Baumhirten und einen alten Wachturm geben sollte. Mit vielen Menschen zogen wir los und erklommen den schattigen Berg bis wir den Turm erreichten, doch weder auf dem Hinweg noch auf dem Rückweg begegnete uns auch nur ein einziges magisches Wesen. Ich glaube die Menschen waren einfach zu laut, oder die Wesen fürchteten sich vor ihren Waffen. Wenn die uns nur nicht immer nachlaufen würden. Enttäuscht kehrten wir zurück ins Dorf wo wir dann doch noch den Kobolden begegneten, welche die Bevölkerung um Spenden für ihren Gott anbettelten. Wir versuchten mit ihnen zu reden, wegen dem Schatz des Todes, doch ich glaube die waren nicht die Hellsten, und dann sind sie weggerannt. Die Hitze war mittlerweile dermaßen angestiegen, das jeder im Dorf auch an den schattigsten Orten im eigenen Schweiß gebadet motivationslos dasaß. Es wurde Karten gespielt und erzählt, als plötzlich eine Kerze entflammte. Zwar war es ungewöhnlich heiß, aber kein Grund zu spontaner Selbstentzündung. Fasziniert sahen wir zu wie sich das Wachs der Kerze zu einem Zeichen anordnete, dem Zeichen des Feuers, Ignis, wie mir gesagt wurde. Das gleiche geschah kurz darauf noch an einem anderen Tisch, und kaum war dieser Spuk vorbei wurde das Lager heimgesucht von Feuerelementaren, die offensichtlich etwas zu finden hofften. Kein Wunder dass es so heiß war. Sie schleuderten wild Feuerbälle um sich, einer davon verfing sich in Baldos Haar als dieser tapfer versuchte Hügli zu verteidigen und brannte es bis auf einen Fingerbreit nieder. Der Ärmste. Wie sich dieses 'elementare Problem' löste weiß ich nicht mehr, denn Flyx die Scharfäugige entdeckte einen Koboldschamanen und wir umringten ihn auf ein Wort. Doch nicht mit allen Mitteln der Kunst und Magie war auch nur eine interessante Information aus ihm herauszuholen. Er entbrannte stattdessen in Widerstreit mit einem Hellseher, welcher soeben sein Zelt für Wahrsagungen eröffnete: der sei ein Stümper, woraufhin der Hellseher den Kobold einen Lügner nannte und so weiter und so fort. Nun, wollte der Kobold nicht helfen, konnte es vielleicht der Wahrsager, also lies ich mir von ihm die Zukunft prophezeien. Den genauen Wortlaut habe ich vergessen, aber er erzählte von einer blauen Flut die gegen eine rote Feuersbrunst ankämpft und von nahendem Unheil, das sich daraus ergeben wird. Die Elemente lägen in großem Streit und hier sei das Schlachtfeld. Allem Anschein nach lag der Hund tiefer in den Geschicken dieses Landes begraben. Ich ließ mir von einer weißen Zauberin die Vorgeschichte erzählen, doch dieses 'der erschlug den, dieses Volk jenes', das war mir ein wenig zuviel Information auf einmal, also beschloss ich, die Sache mit den Elementen der Zauberin und ihren Menschen zu überlassen - die schienen offensichtlich sehr kompetent und motiviert zu sein, und man kann ja nicht immer die Welt retten. An diesem wundervollen Ort gab es nämlich Probleme genug, und so viele interessante Begebenheiten, das man nicht wusste, wo man den Kopf hinwenden soll. Im Wald - so hörte ich - sollte es einen Baum geben, der alles verpestet - in der Grotte beim See ein frisches Loch in der Wand das ins Nichts führt und in das man alles werfen kann und es kommt nie wieder - welch praktische Möglichkeit der Müllbeseitigung, - aber das, wofür wir Kender uns dann entschlossen, ist Flyx dabei zu helfen, ihren Onkel Fallenspringer zu finden. Kender müssen zusammenhalten. Dieser hatte ihr eine Nachricht geschickt, dass er hier bei Hügli bei den drei Seen eine wundertolle Entdeckung gemacht hätte und sie sofort kommen müsste um sie sich anzusehen, doch er war nirgends zu finden. Also nahmen wir die Gewässer näher unter die Lupe. Es gab einen kleinen Entengrützetümpel der nicht gemeint sein konnte. Einen mittelgroßen Teich mit einer Grotte und einem Steintheater gleich nebenan, und darin die Hütte unserer Gastkenderin. Dann war da noch ein großer Teich mit einer kleinen Insel dessen Wasseroberfläche sich ab und zu unruhig aufwühlte – es musste große Fische darin geben und niemand wollte dort baden. Flyx hatte am Vormittag schon oberhalb des Steintheaters eine zweite Grotte entdeckt - ich denke sie hat ein großes Talent Dinge zu finden - und nahm uns nun mit hinein. Im Inneren stand ein Spiegel dessen Rand wunderschöne Muscheln zierten, aus denen jedoch bereits einige ausgebrochen waren. Flyx schwor das sie ihn schon so ähnlich vorgefunden hatte. Wir nahmen die Muscheln und den Spiegel mit ins Freie, und entdeckten auf dessen Rückseite einen langen Zettel auf welchem folgender Text (grammatisch leicht korrigiert von mir) prangte:

Dieser Spiegel bannt ein Monster aus den dunklen Tiefen von Aquas Reich.

Der Nagatas wurde von Aqua erschaffen um Schiffe zu fressen.

Da die Bestie sich jedoch nicht zähmen ließ und sogar Sig Atoll angriff, sperrten die Sig Atoll ihn mit Hilfe einer Sirene ein.

Hierzu wurde ein Seelenspiegel gebaut und das Blut des Tieres auf ihn gegeben.

Dazu sang die Sirene mit melodischer Stimme einen Bannzauber.

Dabei versiegelten die Sig Atoll das Spiegelbild des Monsters welches zum Gesang dort erschien.

Als Siegel benutzten sie Muscheln und Schneckenhäuser und als Bindemasse Ton.

Der Gesangstext lautete:

"Heilig sei ihr Name und seelig sei die See. Für Aqua kämpfen, siegen und sterben wir!"

gez: Cygaix von der neunten Welle der Sig Atoll.

 Ihr könnt Euch unsere Aufregung vorstellen. Lag da nicht die Vermutung nahe, das Flyx‘ Onkel - der in seinem Brief nur dieses Kleinod meinen konnte, durch das herausbrechen einiger Muscheln aus versehen das Seeungeheuer befreite? So etwas konnte auch nur einem Kender passieren. Wir beruhigten alle die liebe Flyx, dass ihr Onkel sicherlich nicht gefressen sei, und überlegten, ob wir vielleicht den Spiegel reparieren sollten. Es schien ja nicht sonderlich schwer .... Muscheln und Tonschlamm gab es hier genug und es würde damit vielleicht gar nicht auffallen dass das Siegel gebrochen war, doch da geschah etwas Schreckliches im Dorf: die Feuerelementare kehrten zurück und griffen eine Frau an. Wir wollten helfen, doch mussten wir tatenlos zusehen - die Feuergeister waren einfach zu mächtig. Ich habe soviel Wasser auf sie geschüttet wie ich nur konnte, doch sie steckten zum Dank meinen Pferdeschwanz in Brand  - zum Glück konnte ich die Haare retten. Nicht so die Opfer der Flammenwesen, zu denen jetzt auch ein anderer Windmager zählte. Wir konnten sie weder durch verspotten weglocken noch durch Bitten abbringen, Krieger versuchten sie zu schlagen, doch ihre Waffen und Rüstungen begannen zu glühen sodass sie sie fallen lassen mussten. Die Feuerelementare quälten ihre Opfer bis diese halb wahnsinnig vor Schmerz wurden. Immer wieder verlangten sie ein spezielles Buch. Ein mächtiger Elf hatte einen entscheidenden Einfall und versteinerte den Windmagier, woraufhin dieser von den Elementaren nicht mehr gefoltert und befragt werden konnte, und sie ließen ab und zogen sich zurück. Das hat ihm vermutlich das Leben gerettet. Wir wendeten uns wieder unserem Spiegeltext zu und ich fragte die weise und wahrscheinlich allwissende Magierin nach den Sig Atoll - Schildkrötenwesen, intelligent und aufrecht laufend, Diener Aquas, des Wasseravatars – wie ich erfuhr. Ich hätte damals ja Einiges darum gegeben eines zu sehen - nun, ich musste lernen das es manchmal klüger ist vorsichtig mit seinen Wünschen zu sein. Wir erholten uns alle von dem Schock in der Taverne - der Tag war schon weit fortgeschritten und die Halblinge verteilten Suppe an alle hungrigen Gäste, als das nächste Unglück nahte –

mitten in die Dorfmitte stolzierte eine Gesandtschaft eines Menschenvolkes, das sich die Goldaren nannte. Ihre Augen waren seltsam geschlitzt und sie schienen Anhänger des Feueravatars Ignis zu sein. Die Fremden trugen rote goldbebortete Roben mit Feuersymbolen verziert, merkwürdig runde Hüte, geflochtene Pferdeschwänze, weite Wickelhosen und gekrümmte Waffen. Doch das Beeindruckendste was sie trugen war eine kendergroße goldene Statue die sie als Abbild ihres Gottes anbeteten. Diese Goldaren verkündeten, das sie das Land jetzt annektieren würden, es sollte ihnen gehören. Hügli solle Steuern an sie zahlen und ihren durchreisenden Kriegern Unterkunft bieten, denn sie wären auf Kriegszug und die Blauenauen zu durchqueren wäre der einzige Weg. Es lagerten hunderte von Schiffen an den Gestaden des Landes die darauf warten würden, von hier versorgt zu werden. Nun, die Halblinge sind ein sehr friedfertiges und gastfreundliches Volk. Sie verpflegen jeden gerne, der freundlich darum bittet, und so erlebten die großen Menschen eine Überraschung, als die kleinen Völker - Halblinge, Zwerge, Kender - sich hinter dem großen Kochlöffel der redeführenden Halblingsfrau verbrüderten und gemeinsam durch kluge Konversation die Goldaren überrumpelten - so sehr, das es ihnen nicht auffiel, wie einige Kender unter Führung von Baldo Moosgrün ihnen die Statue nahmen, welche die Zwerge gleich darauf zerschlugen und das Gold versteckten. Diese Statue hätten sie eh nicht mehr gebraucht, wenn sie wieder abzögen, denn es ist ja klar, dass die Blauenauen den Hüglingen gehören, und auf Krieg konnten sich die Goldaren nicht einlassen, wollten sie von den reichen Vorräten des Landes kosten. Verheertes Land füttert schlecht den leeren Soldatenmagen - so lief es dann wohl auf Verhandlungen hinaus, und Hüglinge scheinen sehr talentierte Diplomaten zu sein. Liebe geht durch den Magen, ebenso wie Loyalität. Jeder satte Gast hätte seine Waffe für die Halblinge gezogen und so sahen sich die Goldaren einer personellen Übermacht gegenüber und zogen unverrichteter Dinge wieder davon - nicht ohne den Verlust ihres Götzen zu beklagen. Baldo wurde von ihnen als Hauptübeltäter angesehen, ich weiß auch nicht, vielleicht lag es an seinen besonders frechen Sprüchen. Sie luden ihn ein, bei ihnen in ihrem Lager zu speisen. Die Großen glaubten fest daran, das es sich dabei um eine Entführung handelte, als sie ihn mit sich nahmen. So zogen sie hinterher, mussten jedoch vor den geschlossenen Toren des Lagerwalles unverrichteter Dinge auf Baldos Rückkehr warten. Dieser berichtete dann davon, dass sie ihn wegschickten weil Teezeit angebrochen war, und sie ihn später noch einmal zur Befragung aufsuchen würden. Nun ja, manche großen Völker sind einfach sehr fremdartig.

Zurück zu dem Problem mit der Seeschlange suchten wir die Seen nach einem Hinweis darauf ab - wir wussten ja nicht einmal in welchem See sich das Wesen versteckte. Im mittleren See fanden wir ein Banner in einer Weide, welches das Zeichen Aquas trug. Was dies uns sagen sollte und was es da tat, wussten wir nicht, aber wir fanden die Idee gut, es mit in unser Kender-Lager zu nehmen, damit jenes künftig geschützt sei vor Übergriffen der Feuerelementare. Die würden sich gewiss nicht getrauen irgendwo einzufallen, wo ein sicherlich magisches Banner Aquas hing.

Die Nacht brach herein, ich verdiente eine ansehnliche Hand Muscheln mit meinem Feuertanz, und wir trafen die Fährmänner wieder. Diese erklärten uns, das sie ihren Lohn wieder bekommen würden - wer den Schatz den Kobolden abnahm werden wir wohl nie erfahren - und plötzlich begann es zu regnen. Nein, es war nicht nur Regen - es war ein Gewitter, ein Unwetter so mächtig, das sogar mein Zelt absoff und sich in meinen Schuhen das Wasser sammelte bis ich den Schaden bemerkte. Es regnete die ganze Nacht durch - soviel Wasser wie aus den Wolken fiel sieht man selten auf einer Wiese, und am nächsten Morgen wurden wir geweckt von einem Angriff der Sig Atoll und menschlicher Krieger Aquas. Uns Kendern wurde klar, das es wohl ein Fehler gewesen war Aquas Zeichen ins Lager zu hängen, denn so tauschten wir Hitze und Feuerelementare gegen Starkregen und Wasserwesen - kein sonderlich guter Tausch, auch wenn die Krieger des Lagers sie vertreiben konnten. Aber wahrscheinlicher ist, dass die Angreifer einfach gingen, weil sie ihr Banner zurückgefunden hatten. Sehr aufregend, schwertschwingende, aufrecht gehende Schildkrötenkrieger zu sehen.

Bald darauf klarte auch der Himmel wieder auf, und die Sonne eroberte sich ihren Platz mit unerbittlicher brütender Hitze zurück, so wie auch die Goldaren wiederkamen um Baldo zu vernehmen. Dieser wollte jetzt allerdings nicht mitspielen, weil sie ihn gar zu sehr mit Waffen bedrohten, und floh in den mittleren See. Die Goldaren schienen allerdings doch keine so geschickten Seefahrer zu sein, sie stellten sich recht dämlich bei der Steuerung des Kahnes an und der Kender entkam ihnen, doch gab es noch ein kurzes Gefecht zwischen ihnen und Kriegern aus dem Lager. Danach sahen wir immer wieder Gefechte zwischen den Goldaren und Feuerelementaren und Kriegern Aquas - ob die weiße Zauberin mit ihrer Problemlösung des Kriegs der Elemente - und hier insbesondere des Feuers gegen das Wasser - Erfolg hatte? Momentan schaute es nicht so sehr danach aus, aber wir Kender konnten uns darum eigentlich nicht kümmern, wir hatten ein Problem mit einem  Seeungeheuer zu lösen und: heute war Dankeschön-Tag - wir sollten eigentlich Vorbereitungen treffen, Spiele spielen usw. Aber bei soviel Bedrohung und Problemen - wie sollte man da einen friedvollen Feiertag feiern? Also musste erstmal die Welt wieder ins rechte Lot gerückt werden - und wir wollten unseren Teil dazu beitragen und uns um Nagatas kümmern.

Flyx bestand darauf, dass wir das Seeungeheuer fragen sollten, ob es ihren Onkel Fallenspringer gefressen hat. Da es auf Rufen vom Rand des Sees nicht reagierte beschlossen wir es anzulocken, indem wir - da es Schiffe verschlang -  mit dem Boot auf den See fuhren. Wir nahmen noch einen tapferen Krieger zur Verteidigung, sollte es uns angreifen, und einen Steuermann mit an Bord. Es dauerte nicht lange, da erschienen zwei Köpfe im Wasser. Sie gehörten zwei Seejungfrauen, wunderschöne anmutige magische Wesen und möglicherweise verwandt mit Zwergen, betrachtet man die Barttracht der einen. Doch sehr lieblich klangen ihre Stimmen nicht, als sie uns anschrien das wir Kender dran Schuld seien, das sie keine ruhige Minute mehr finden seit das Ungeheuer in ihren See eingedrungen ist, das es alle Fische gefressen hat und jetzt sie fressen will, dass wir damit ihre Heimat zerstört haben und sie dem grausamen Tode weihten ... so in der Art - und plötzlich klatschte ein stachliger mit Tang behangener Schwanz auf unser Boot. Das Ungeheuer war da - und es griff uns an! Die Menschen gerieten sofort in Panik. Immer wieder klatschte der nasse  Schwanz in den Kahn, erwischte mich sogar einmal am Hut. Flyx schrie aus Leibeskräften nach dem Wesen, ob es ihr nicht antworten wolle, ob es denn wirklich böse sei, und ob es ihren Onkel gefressen hätte, aber es schwieg und klatschte uns weiterhin sein feuchtes Ende ins Gesicht. Plötzlich tauchte Nagatas Schnauze auf und spie eine ganze Ladung Wasser in das beträchtlich schwankende Boot - ich denke ja, es wollte nur spielen - denn wenn es ganze Hochseeschiffe versenkte, war unsere Nussschale ja nur ein kleiner Imbiss, hätte es uns wirklich fressen wollen. Vielleicht war es im Allgemeinen Kendern dankbar, weil Flyx ihr Onkel es befreit hatte. Die Menschen in unserem Kahn stachen und traten jedoch nach Leibeskräften nach dem Ungeheuer und versuchten ans Ufer zurückzustaken. Auch die Meerjungfrauen schwammen aufgeregt und riefen aus voller Kehle Vorwürfe - das Nagatas ja wohl ein Tier sei und uns daher gar nicht antworten könne. Wir schafften es an Land - Flyx und der Krieger gingen jedoch baden. Jetzt fassten sich die Schaulustigen ein Herz und gemeinsam zogen sie die beiden aus dem Wasser. (Anmerkung von Flyx: " Aber SO stimmt das gar nicht! Ich bin überhaupt nicht ins Waser gefallen! Ich bin aus dem Boot ausgestiegen und als ich gesehen habe, dass das Monster den armen Kerl angegriffen und in den See gezogen hat, bin ich todesmutig hinterher gesprungen und habe nicht nur ihn gerettet, sondern auch die Nixen! Frechheit, ich falle NIE ins Wasser, wenn ich das nicht will!" )An des Kriegers Dolch klebte nun das Blut des Wesens - eine der Zutaten die man brauchte um es zu bannen. Wir hatten jedoch gar keine Zeit darüber nachzudenken denn nachdem wir in Sicherheit waren richtete Nagatas seinen Zorn gegen die Meerjungfrauen, welche nun um ihr Leben schwammen. Flyx rettete die Bärtige, und ich mit einem Menschen die Glattrasierte - und so trugen wir sie die wenigen Meter bis in den anderen Teich, auf dessen Insel unsere Gastgeberkenderin wohnte. Doch man darf keinen Dank von einer Sirene erwarten, sie schimpften immer noch und wollten so recht keinen Gefallen an ihrer neuen Heimat finden. Das Wasser hätte nicht die rechte Farbe, es sei zu warm, es gäbe nicht die richtigen Fische, der Tang sei nicht so schön, zu viel Badebetrieb im Sommer und so weiter - wütend tauchten sie unter und verschwanden ohne ein freundliches Wort.

Nachdem meine Kleidung wieder etwas getrocknet war und auch der Himmel nicht mehr weinte, setzte ich mich in die Taverne und lernte zwei Neuankömmlinge kennen, zwei Faune welche sich um den verdorbenen Baum im Wald kümmern wollten. Es waren die ersten Faune welche ich in meinem Leben gesehen habe - halb Mensch halb Widder, und sie waren sehr nett, klug und verständig. Sie wussten um die Sprache der Tiere und wir konnten den Erfahreneren von beiden überzeugen uns mit dem Seeungeheuer zu helfen. Denn ist es nicht furchtbar gemein ein Wesen in einen Spiegel zu sperren, und ist es nicht logisch, dass es danach wütend ist? Aber muss es deswegen Böse sein? Vielleicht wurde Nagatas nur verkannt? Wir wollten Gewissheit, und der Faun sprach für uns mit der Bestie, die sich als ganz normales Tier mit großen scharfen Zähnen und mächtigem Hunger entpuppte - also nichts abgrundtief Böses das es verdient auf immerdar in einem Spiegel gefangen zu sein. Zu Flyx‘ großer Freude hatte es ihren Onkel nicht verzehrt, doch der Hunger machte Nagatas umso aggressiver. Also beschlossen wir die Hüglinge zu fragen, ob sie denn ein Seeungeheuer in ihrem großen Teich behalten und füttern wollten, damit es keine Not leidet. Immerhin - bei einer drohenden Übernahme des Landes durch eine Seeflotte der Goldaren vermag ein schiffeverschlingendes Ungeheuer eine gute Investition zu sein, doch die Hüglinge lehnten ab, sie glaubten nicht den großen Hunger des Wesen mit ihren Kartoffeln stillen zu können.

Der Teich war wirklich recht klein für ein Monster dieser Größe, also kam mir eine Idee: man könnte den Spiegel zum Transport benutzen, und das Wesen in einen großen, von anderen Völkern unbesiedelten fischreichen See mit klarem Wasser und höhlenreichem Grund bringen. So würde es seine Freiheit behalten und niemandem zu einer Gefahr werden. Um den See könnte man Warnschilder aufstellen, so dass auch niemand zufällig Schaden nimmt. Die Sirenen bekämen ihren See zurück, die Halblinge ihre Ruhe und jedem war geholfen. Da es meine Idee war erklärte ich mich auch bereit die Aufgabe zu übernehmen, auf meinen Reisen eine geeignete Heimat für Nagatas zu finden. 

So war der Plan und wir begannen uns auf das Bannritual vorzubereiten. Baldo überzeugte die Nixen uns mit ihrem Gesang zu unterstützen, wir anderen Kender reparierten den Spiegel mit Ton und Muscheln und danach suchten wir nach Magiern die das Ritual leiten könnten. Einen Halbling und eine Bardin gewannen wir als Vorsinger. Kurz bevor alles fertig war spitzte sich die Lage zwischen den Goldaren und den Kriegern Aquas zu. Es kam zu einer großen Schlacht mitten auf dem Dorfplatz - und dies war es nun: die Prophezeiung des Hellsehers - eine Sturmflut kämpft gegen eine Feuersbrunst - und keiner von beiden kam als Sieger hervor. Lange Minuten standen wir drum herum aber wozu eingreifen, wenn zwei Übel sich gegenseitig vernichteten? War das die ersehnte Lösung des Problems, und würde man jetzt Frieden vor beiden Invasoren haben?

Wir wussten es nicht, aber als es vorbei war gingen wir zusammen zum großen See. Das ganze Dorf kam zusammen, sowohl die Bewohner Hüglis als auch ihre reichlich Gäste. Die Nixen erschienen, und gemeinsam sangen wir die beschwörenden Zeilen. Meine Trommel gab den Rhythmus, und das Wasser wogte hoch auf, als Nagatas erschien. In seinem weit aufgerissenen Maul blitzten Reihe um Reihe scharfer Zähne, die gelben Augen rollten wie wild im Kopf als er sich nicht entscheiden konnte welchen der vielen Menschen er zuerst in die Tiefe zerren sollte. Sein langer Schildkrötenhals troff vor Algen, als er sich hinab beugte und in den magischen  Spiegel blickte. Die letzte Muschel wurde in den Rand gesetzt, das Siegel leuchtete auf, die Bestie ward gefangen. Ja, und dies meine lieben Freunde die einst diese Zeilen finden und lesen werden - ist meine, Firinn Feuerfünkchens, große Aufgabe geworden: ein neues Zuhause für Nagatas den Schiffsverschlinger finden. Ich werde nicht eher ruhen bis er in Frieden leben kann. Ein Spiegel ist kein Zuhause für ein Seeungeheuer, er soll der freie Nagatas sein, König seines Gewässers, Herr seiner Selbst.

Der Abend war hereingebrochen und erschöpft und erleichtert kehrten alle zurück ins Lager. Für uns Kender jedoch begann die eigentliche Arbeit jetzt erst - wir hatten noch einen Dankeschön-Tag zu feiern, und es war der schönste Dankeschön-Tag den alle seit langem erlebt hatten. Wir feierten ihn das erste mal zusammen mit Menschen, Elfen, Zwergen, Halblingen, und luden jeden ein mit uns am Feuer zu sitzen und den Geschichten zu lauschen, mit denen man danke sagt - danke für Freundschaft, danke für Liebe, danke für Vertrauen, danke für das (Über) Leben.

In einer epischen Darstellung führten wir die Zerstörung Kenderheims vor - ich war Malestix mit meinen Feuerfächern, das war sehr toll!! - und tosend und jubelnd war der Beifall. Lange saßen wir noch zusammen, sangen, tranken, aßen Stockbrot, bis die Müdigkeit auch diesen Tag ein Ende finden lies. Am nächsten Morgen wollte ich gleich früh wieder aufbrechen und Talosien hinter mir lassen. Doch unser Dank bleibt zurück, unser Dank an die Hüglinge aus den Blauenauen für die grandiose (Gast)freundschaft die wir bei ihnen fanden, wir hoffen Euch auch das nächste Jahr beim Dankeschön-Tag begrüßen zu können.